Wien, die Stadt der Schnitzel und der Traditionen, hat mit Figlmüller ein gastronomisches Highlight, das seit 1905 die Herzen von Einheimischen und Touristen gleichermaßen erobert. Unter der Leitung der Brüder Hans und Thomas Figlmüller, die das traditionsreiche Familienunternehmen in vierter Generation führen, hat sich das Restaurant zu einer Institution entwickelt. Mit mittlerweile neun Betrieben, darunter ein Café und ein Wirtshaus in Grinzing, zieht Figlmüller täglich rund 6.000 Gäste an. Dies ist beeindruckend, zumal bis zu 80 Prozent der Gäste Touristen sind, während in den Stammhäusern vergleichsweise wenige Wiener anzutreffen sind. Das Unternehmen spricht ungern über Umsatzzahlen, plant jedoch eine Neueröffnung in der Rotenturmstraße und arbeitet an einem Franchise-Konzept, das ab 2027 am Flughafen Wien präsent sein soll. Eine neue gastronomische Kreation, das mediterrane Konzept „Figoletta“, wurde 2022 eingeführt, um das Angebot zu erweitern (Quelle).
Die Corona-Pandemie hat die Gastronomie jedoch stark getroffen. Vor der Krise verzeichnete Figlmüller einen Jahresumsatz in zweistelliger Millionenhöhe, während der Pandemie der Umsatz auf null sank. Aktuell liegt das Umsatzniveau in den geöffneten Betrieben zwischen 70 und 100 Prozent, während zwei Lokale noch geschlossen sind, darunter eines am Flughafen. Die Brüder Figlmüller stehen vor Herausforderungen wie Personalproblemen und der Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Sie erwarten eine stärkere Verankerung von Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Gastronomie, insbesondere nach den tiefgreifenden Veränderungen durch die Pandemie. Regierungshilfen wie der Fixkostenzuschuss haben in der Krise Unterstützung geboten, jedoch gab es insbesondere für große Unternehmen eine Deckelung bei der Unterstützung (Quelle).
Veränderungen in der Gastronomie
Die Lockdowns haben nicht nur die Umsätze beeinflusst, sondern auch zu einem Umdenken in der Branche geführt. Viele Gastronomen reflektieren über ihre Dienstleistungen und die Rentabilität ihrer Betriebe. Preisanstiege sind derzeit in der Gastronomie spürbar, was zum Teil auf die Energiepreiskrise zurückzuführen ist. Die Zahl der Gastronomiebetriebe steigt, aber die Kosten, insbesondere für Personal, belasten viele Unternehmen. In der Folge haben viele Betriebe fixe Schließzeiten und mehr Ruhetage eingeführt, um den Anforderungen der neuen Realität gerecht zu werden. Die Gastronomie hat an Nimbus der Jobsicherheit verloren, was sich in den dritthöchsten Insolvenzzahlen nach Bau und Handel widerspiegelt. Auch der Rückkehr der Mitarbeiter in die Gastronomie steht nur wenig entgegen, da viele während der Schließungen in andere Branchen gewechselt sind und nun die Work-Life-Balance betonen (Quelle).
Insgesamt zeigt sich, dass die Gastronomie in Wien, und insbesondere bei Figlmüller, in einer spannenden, aber herausfordernden Phase ist. Die Traditionsmarke hat sich bewährt, muss sich jedoch stets anpassen, um den Anforderungen der modernen Gäste und den Herausforderungen des Marktes gerecht zu werden. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, wie sich die Branche weiterentwickeln wird und welche Rolle Nachhaltigkeit und Innovation dabei spielen.