In Wien wird die musikalische Geschichte eines lange vergessenen Talents neu beleuchtet. Romana Amerling, eine leidenschaftliche Soprano und sowohl Opern- als auch Konzertsängerin, hat ein Album über die österreichische Komponistin Hilde Loewe, auch bekannt als Henry Love, veröffentlicht. Loewe, 1895 in Wien geboren, war in der Zwischenkriegszeit eine gefragte Pianistin und Liedbegleiterin. Doch aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln musste sie in den 1930er Jahren Österreich verlassen, was zu ihrem Verschwinden aus dem kollektiven Bewusstsein führte. Amerlings Engagement ist eine Hommage an Loewe und ihre bedeutenden Werke, die in der Vergessenheit geraten sind. Mehr Informationen zu Amerlings Projekt finden sich in einem Artikel auf Rondo Magazin.

Die Entdeckung von Hilde Loewe geschah während eines Besuchs im Wien Museum, wo Amerling auf die vielversprechende Komponistin stieß. Auf ihrer Suche nach Loewe’s Werken sammelte sie fast drei Dutzend Lieder, die als Basis für das Album dienen. Viele dieser Lieder lagen nur in handschriftlicher oder fragmentarischer Form vor und mussten entsprechend editiert werden. Nobuo Watanabe, Amerlings Klavierbegleiter, unterstützte sie dabei, die Lieder musikalisch umzusetzen. Das Album präsentiert eine große Bandbreite an Musikstilen, darunter humorvolle und romantische Stücke sowie Modetänze wie Tango und Samba. Amerling hofft, dass Loewe’s Musik eine Renaissance erlebt und endlich die Bühne bekommt, die sie verdient.

Die musikalischen Wurzeln von Hilde Loewe

Die erste offiziell veröffentlichte Komposition von Hilde Loewe war „Das alte Lied“, die 1927 durch Richard Tauber populär wurde. Weitere bekannte Interpreten dieses Liedes sind Marlene Dietrich, Freddy Quinn und Hildegard Knef. Die Komponistin heiratete 1934 den Maler Joseph Otto Flatter und das Ehepaar verließ Österreich aufgrund der politischen Verhältnisse. Sie fanden in England eine neue Heimat, wo Loewe 1936 eine Arbeitserlaubnis als Pianistin erhielt. Während ihrer Zeit im Exil unternahm sie zahlreiche Konzertreisen, trat auch wieder in Österreich auf und war bis 1971 als Klavierbegleiterin aktiv.

Besonders bemerkenswert ist, dass „Das alte Lied“ während des Zweiten Weltkriegs beliebt blieb und sogar im Film „Der dritte Mann“ von Anton Karas gespielt wurde. 1949 interpretierte Loewe das Lied als Pianistin gemeinsam mit Tenor Rudolf Schock bei einem Festkonzert in London, das zur Weltkarriere von Schock beitrug. Ihre musikalische Karriere blühte auch nach dem Krieg auf, als sie in verschiedenen Veranstaltungen und als gefragte Klavierpädagogin in Wien und London tätig war. Für mehr Details über Hilde Loewe und ihre Lebensgeschichte kann ein Besuch auf Wien Museum empfohlen werden.

Ein neues Album für die Zukunft

Romana Amerling hat sich zum Ziel gesetzt, das gesamte Material von Hilde Loewe zu sammeln und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Zusammen mit hochkarätigen Musikern aus der Wiener Philharmoniker und der Wiener Jazzszene, darunter Daniel Ottensamer, Herbert Mayr und Sebastian Baumgartner, werden die Lieder in authentischen neuen Arrangements präsentiert. Die Veröffentlichung des Albums ist für Februar 2026 auf dem Wiener Label Supreme Classics geplant. Diese Aufnahme wird erstmals einen Überblick über das musikalische Werk von Henry Love bieten und ist eine wertvolle Ergänzung zur Wiener Musikgeschichte.