Heute ist der 10.03.2026 und in Brigittenau wird die geplante Reform im Polizeiwesen, das „Dienstzeitmanagement Neu“ (DZM), immer konkreter. Die Polizei hat angekündigt, dass ab dem kommenden Frühjahr in fünf Bezirken ein Probelauf für das neue Dienstzeitenmanagement starten soll. Dieses System, das maximal 13 Stunden Dienstzeit am Stück vorsieht, soll flexibler und familienfreundlicher gestaltet werden. Doch der Widerstand der drei Gewerkschaften – FSG (rot), FCG (schwarz) und AUF (blau) – ist nicht zu übersehen. Sie fürchten Einkommensverluste und kritisieren die Reform als unzureichend.
Der Testballon wird in Wien-Brigittenau, Niederösterreich, Linz, Bregenz und Leibnitz durchgeführt und soll vor dem Sommer starten. Eine zentrale Maßnahme der Reform ist die Abschaffung der 24-Stunden-Dienste. Künftig wird die Normarbeitszeit zwischen 8 und 13 Stunden pro Tag variieren, wobei bis zu 48 Arbeitsstunden pro Monat an Wochenenden regulär eingeplant werden. Dies wirft Bedenken hinsichtlich der sozialen Anbindung und der Planbarkeit im Familienleben auf. Besonders kritisch sehen die Gewerkschaften die Erhöhung der Wochenenddienste, da sie befürchten, dass dies zu einer weiteren Belastung der Polizisten führen könnte.
Hintergrund und Ziele der Reform
Die Reform des Dienstzeitenmanagements ist notwendig geworden, da das aktuelle System seit 50 Jahren in Gebrauch ist und sich die Sicherheitslage sowie die Kriminalität in den letzten Jahren verändert haben. Laut einer Mitarbeiterbefragung aus 2022/2023 sind 50% der Polizisten mit den aktuellen Arbeitsbedingungen unzufrieden, insbesondere was die Dienstplangestaltung betrifft. Die Kritikpunkte sind vielfältig: Ein starres System, unplanbare Überstunden und lange Dienste erschweren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Projektleiter Joachim Huber betont, dass das neue System eine bedarfsorientierte Planung ermöglichen soll, die auch Tauschmöglichkeiten und kürzere Arbeitszeiten umfasst.
Die Sorgen um Einkommensverluste sind nicht unbegründet. Gewerkschaft FSG warnt vor möglichen Verlusten von bis zu 500 Euro netto pro Monat, während die FCG-Gewerkschafter die Notwendigkeit der Reform generell in Frage stellen und eine Beibehaltung des bisherigen Systems fordern. Ein offener Brief der FSG an das Innenministerium fordert eine Evaluierung des Erlasses. Zudem haben die AUF-Gewerkschafter eine Umfrage unter Polizisten zum DZM durchgeführt, deren Ergebnisse derzeit ausgewertet werden. Auch die Herausforderungen, die außergewöhnliche Lagen wie Terroranschläge oder Hochwasser mit sich bringen, könnten die Umsetzung des neuen Systems erschweren.
Ausblick auf die Umsetzung
Die Entwicklung einer App zur Dienstplanung und die Einführung einer Tauschbörse sollen den Polizisten helfen, ihre Arbeitszeiten besser zu organisieren. Überregionale Springerdienste könnten Engpässen entgegenwirken und eine Flexibilität bieten, die im aktuellen System fehlt. Generalsekretär Andreas Achatz hat betont, dass es sich bei der Reform nicht um ein Sparprogramm handelt, jedoch ist eine Aufstockung des Personalstandes, der aktuell bei etwa 33.000 Polizisten liegt, nicht geplant. Die Entwicklung der App ist mit einem niedrigen Millionenbetrag budgetiert und die Personalvertretung wird in den Prozess eingebunden.
Es bleibt abzuwarten, ob die Reform tatsächlich die erhofften positiven Effekte für die Gesundheit der Polizisten mit sich bringt und ob die Bedenken der Gewerkschaften ausgeräumt werden können. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich das neue Dienstzeitmanagement auf die Arbeitsbedingungen in der Polizei auswirken wird. Für weitere Informationen zu diesem Thema lesen Sie den vollständigen Artikel auf Kurier oder Nachrichten.at.