Die geplante Dienstreform der Polizei sorgt derzeit für rege Diskussionen, nicht nur bei den Beamten selbst, sondern auch in der Öffentlichkeit. Unter dem Titel „Dienstzeitmanagement Neu“ (DZM) will man endlich ein System einführen, das mehr Flexibilität und Familienfreundlichkeit bieten soll. Doch die Veränderungen bringen auch Herausforderungen mit sich.
Um die Dienstzeiten zu modernisieren, plant die Polizei, die bisherigen 24-Stunden-Dienste abzuschaffen und stattdessen eine Normarbeitszeit zwischen 8 und 13 Stunden pro Tag zu etablieren. Pro Woche könnten bis zu 48 Arbeitsstunden an Wochenenden anfallen und jeder Beamte soll mindestens ein Wochenende pro Monat sicher frei haben. Die Gewerkschaften FSG, FCG und AUF üben jedoch heftige Kritik an dieser Reform, da sie Einkommensverluste durch den Wegfall von Überstunden und Journaldiensten befürchten. Laut der FSG könnte der Verlust bei bis zu 500 Euro netto pro Monat liegen, und ein offener Brief an das Innenministerium fordert eine ausführliche Evaluierung des Erlasses. Die FCG fordert dagegen die Beibehaltung des bestehenden Systems und hebt die Notwendigkeit eines klaren Regelwerks zur gleichmäßigen Verteilung der Dienste hervor.
Kurier berichtet.
Probelauf in fünf Bezirken
Als Testballon für das neue Modell wird ab Frühjahr 2026 in den Bezirken Wien-Brigittenau, Linz, Bregenz, Leibnitz und Niederösterreich experimentiert. Diese erste Phase soll das System auf den Prüfstand stellen, bevor es 2027 bundesweit ausgerollt werden soll. Nach einem Mitarbeiterfragebogen aus 2022/2023 zeigten sich 50 % der Beamten unzufrieden mit den aktuellen Arbeitsbedingungen, wobei besonders die unplanbaren Überstunden und langen Dienste kritisiert wurden. Auch gesundheitliche Belastungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen ganz oben auf der Liste der Bedenken. Projektleiter Joachim Huber hebt hervor, dass das neue System eine bedarfsorientierte Planung und Tauschmöglichkeiten bieten soll und maximal 13 Stunden Dienstzeit am Stück erlaubt sind.
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Die Reaktionen auf die Reform
Das Innenministerium betont, dass die größere Flexibilität als „familienfreundlich“ gilt und dass die vereinfachte Dienstplanung der Gesundheit und Work-Life-Balance der Beamten zugutekommen sollte. Dennoch bleibt aus der Sicht der Gewerkschafter viel zu tun. Martin Noschiel von der AUF äußert Skepsis, da er fürchtet, dass außergewöhnliche Lagen, wie etwa Terroranschläge oder Hochwasser, die Umsetzung des neuen Systems erheblich erschweren könnten. Zudem bleibt die Frage offen, ob durch diese Reform die vorhandene Personalknappheit, die in Wien besonders heftig zu spüren ist, behoben werden kann, da keine Aufstockung des Polizeipersonals geplant ist.
Kurier berichtet weiterhin.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie die Reform bei den betroffenen Polizisten ankommt und ob es den Verantwortlichen tatsächlich gelingt, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Studien und Erfahrungen aus den Testbezirken werden entscheidend sein, um die endgültige Ausgestaltung des neuen Dienstzeitmanagements zu begleiten.