Am Ni-Una-Menos-Platz im Alsergrund, Wien, wurde ein eindrucksvolles Mahnmal gegen Femizide eröffnet. Dieses Mahnmal, bestehend aus 19 Schleifen, erinnert an die 19 Femizide, die in Österreich verzeichnet wurden und steht symbolisch für die Morde an Frauen, die aufgrund ihres Geschlechts begangen werden. Die Installation ist ein eindringlicher Hinweis auf ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur Frauen betrifft, sondern auch Männer. Es wird betont, dass Männergewalt ein Thema ist, das von Männern gelöst werden muss.
Die Initiatoren des Mahnmals fordern Männer auf, sich Unterstützung, Beratung und Therapie zu suchen, um die zugrunde liegenden Probleme anzugehen. Auch die Politik wird aufgefordert, entsprechende Angebote zu schaffen, um präventiv gegen Gewalt vorzugehen und Hilfsangebote auszubauen. In diesem Zusammenhang sind die Notrufnummern für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen besonders wichtig:
- 24-Stunden-Frauennotruf: 01/71719
- 24-Stunden-Frauennotruf der Wiener Frauenhäuser: 05 77 22
- Frauenhelpline: 0800/222 555
- Polizeinotruf bei akuter Gewalt: 133 oder 112
- Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an 0800/133 133 Hilfe rufen.
Was ist Femizid?
Der Begriff „Femizid“ stammt vom englischen „femicide“ und ist abgeleitet von den lateinischen Wörtern „femina“ (Frau) und „caedere“ (töten). Ursprünglich bezeichnete „femicide“ die Tötung einer Frau im Gegensatz zu einem geschlechtsneutralen „homicide“. Der Begriff fand seinen Ursprung im 19. Jahrhundert, erlangte jedoch erst in den 1970er Jahren durch die Soziologin Diana Russell neue Bedeutung. Russell definierte „Femizid“ als geschlechtsbezogene Tötungen von Frauen, insbesondere durch Männer. Im Jahr 1999 wurde der Begriff erstmals von den Vereinten Nationen verwendet und fand 2009 Eingang in die juristischen Diskussionen des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte.
In Deutschland wird „Femizid“ mittlerweile im Duden als „tödliche Gewalt gegen Frauen aufgrund ihres Geschlechts“ verankert und findet zunehmenden Eingang in Medien und parlamentarische Debatten. Es gibt jedoch unterschiedliche Auffassungen über die genaue Definition, und Erscheinungsformen von Femiziden umfassen Intimpartnerinnentötungen, Ehrenmorde und Massenfemizide. Statistisch gesehen werden 80% der Tötungen durch aktuelle oder ehemalige Partner*innen an Frauen verübt, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.
Gesellschaftliche Verantwortung und Handlungsbedarf
In der Gesellschaft gibt es eine wachsende Debatte über die Notwendigkeit, Femizide als geschlechtsbezogene Tötungsdelikte sichtbarer zu machen. Kritiker fordern die Einführung eines spezifischen Femizid-Straftatbestands, um die Problematik klarer zu benennen und rechtlich zu verankern. Der Begriff „Femizid“ soll helfen, geschlechtsbezogene Gewalt zu thematisieren und im gesellschaftlichen Diskurs zu verankern. In Deutschland wurden 2023 in der Polizeilichen Kriminalstatistik 155 Tötungen von Frauen durch Partner registriert, was die Dringlichkeit der Diskussion um Femizide weiter verstärkt.
Die Eröffnung des Mahnmals am Ni-Una-Menos-Platz ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um auf dieses drängende Problem aufmerksam zu machen und einen Dialog über Männergewalt und deren Ursachen zu fördern. Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft gemeinsam handelt, um Gewalt gegen Frauen zu verhindern und Hilfe für Betroffene zu leisten. Das Mahnmal steht nicht nur für Trauer, sondern auch für die Hoffnung auf Veränderung und eine gewaltfreie Zukunft.
Für weitere Informationen zu Femiziden und Gewalt gegen Frauen, können Sie die umfassenden Erläuterungen auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen.