Im Herzen von Wien-Alsergrund wurde am Ni-Una-Menos-Platz ein eindrucksvolles Denkmal errichtet, das den Frauen gedenkt, die durch Männer ermordet wurden. Diese Installation besteht aus 19 Schleifen, die symbolisch für jeden Femizid seit Anfang 2025 stehen. Bislang wurden in diesem Jahr bereits drei Femizide registriert. Das Mahnmal hat das Ziel, die Frauen hinter den Zahlen sichtbar zu machen und wird mit jeder neuen Tat erweitert. Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) betont die immense Bedeutung des Mahnmals, das sowohl zur Erinnerung als auch zum Handeln gegen Gewalt an Frauen aufruft. Ihre Stellvertreterin, Josefa Molitor-Ruckenbauer (Grüne), beschreibt das Mahnmal als ein Versprechen aus Trauer und unterstreicht die wichtige Botschaft: Gewalt ist keine Liebe. Besonders berührt wird an das Schicksal der Trafikantin Nadine W. erinnert, die von ihrem Ex-Partner ermordet wurde. Weltweit gab es 2025 über 50.000 Femizide, ein erschreckendes Zeugnis für die allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen (Quelle).
Die globale Dimension des Problems
Die Problematik des Femizids ist nicht nur lokal, sondern hat globale Dimensionen. Am 3. Juni 2015 versammelten sich über 250.000 Menschen auf der Plaza del Congreso in Buenos Aires zur ersten Demonstration von Ni Una Menos („Nicht eine weniger“). Diese Veranstaltung war eine Reaktion auf eine Reihe von Frauenmorden in Argentinien und wurde in über 100 Städten des Landes nachgeahmt. Ziel war es, auf den Femizid aufmerksam zu machen und zu betonen, dass es sich um ein öffentliches und gesellschaftliches Problem handelt. Die Bewegung Ni Una Menos hat sich zu einer transnationalen feministischen Initiative entwickelt, die verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen anspricht. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird weltweit jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt. Femizid, die vorsätzliche Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, stellt die extremste Form dieser Gewalt dar (Quelle).
Hintergründe und Erfolge der Bewegung
Ni Una Menos entstand bei einer Marathonlesung im März 2015, die sich gegen brutale Femizide richtete. Das Manifest der Demonstration bezeichnete Femizid als gesellschaftliches Problem und forderte eine angemessene Anwendung bestehender Gesetze. Die Bewegung hat nicht nur auf das Thema Femizid aufmerksam gemacht, sondern auch Erfolge im Bereich des politischen und kulturellen Wandels erzielt, wie die Legalisierung von Abtreibungen in Argentinien im Dezember 2020. Die Bewegung spielt eine wichtige Rolle bei der Organisation nationaler und internationaler Frauenstreiks und nutzt digitale Medien, um ihre Botschaften zu verbreiten und Unterstützer zu mobilisieren. Der 3. Juni bleibt ein fester Termin für große Demonstrationen, und der Frauenstreik am 8. März ist ein zentraler Bestandteil dieser wichtigen Bewegung (Quelle).
Ni Una Menos ist nicht nur in Argentinien aktiv, sondern hat sich über soziale Netzwerke in ganz Lateinamerika und Teilen Europas verbreitet. Ihr Hauptanliegen ist der Widerstand gegen misogynen Gewalttaten wie Femizide und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Die Bewegung lehnt kapitalistische Systeme ab, die Gewalt gegen vulnerable Gemeinschaften und die Umwelt verschärfen und setzt sich für die Beendigung der sozialen Unterdrückung von Frauen, queeren Menschen und trans Personen ein. In Argentinien ist die Situation alarmierend: 2015 wurde alle 30 Stunden eine Frau ermordet, 2022 gab es mehr als 250 Femizide. 88% der Opfer kannten ihre Mörder, 59% waren Partner oder Ex-Partner. Diese Zahlen machen deutlich, wie dringend der Handlungsbedarf ist.
Das Mahnmal im Alsergrund ist ein starkes Zeichen des Gedenkens und ein Aufruf zum Handeln. Es erinnert uns alle an die Verantwortung, gegen Gewalt an Frauen einzutreten und die gesellschaftlichen Strukturen zu hinterfragen, die solche Verbrechen ermöglichen. Der Weg zu einer sicheren und gerechten Gesellschaft für alle Frauen ist noch lang, aber mit den Stimmen der Bewegung Ni Una Menos wird er lauter und klarer.