In Wien bewegt sich die Gesellschaft zunehmend gegen das weitverbreitete Problem der Femizide, insbesondere seit dem erschütternden Fall der 35-jährigen Nadine W. Am 5. März 2021 wurde sie von ihrem Ex-Partner in einer Trafik in der Nußdorfer Straße mit Benzin überschüttet und in Brand gesetzt. Der grausame Angriff endete tödlich für die junge Frau und erschütterte die gesamte Stadt. Anlässlich des Jahrestags fand am 5. März 2023 eine Gedenkveranstaltung statt, die zahlreiche Menschen zum Ni-Una-Menos-Platz zog, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Dies detailliert berichtet meinbezirk.at.
Die Veranstaltung unter dem Motto „Ni Una Menos“ (Nicht eine weniger) wurde durch den feministischen Kunstraum „Frau* schafft Raum*“ in den Räumlichkeiten der ehemaligen Trafik bereichert. Frauenzusammenkünfte und kulturelle Aktionen wie diese sind Teil einer breiteren Bewegung, die 2015 in Argentinien ins Leben gerufen wurde. Die erste Demonstration mobilisierte über 250.000 Menschen auf der Plaza del Congreso in Buenos Aires und wurde zum Ausgangspunkt einer transnationalen Bewegung, die sich gegen Femizide und geschlechtsspezifische Gewalt wendet, wie bpb.de berichtet.
Ein starkes Zeichen der Solidarität
Bezirksvorsteherin Saya Ahmad von der SPÖ betonte bei der Mahnwache die politische Verantwortung, Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung anzugehen. „Wir müssen diese Themen im offenen Diskurs behandeln, denn hier liegt definitiv was an“, so Ahmad. Die Veranstaltung umfasste bewegende Reden, unter anderem von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die die Zuhörer dazu aufrief, aktiv zu werden und nicht wegzusehen. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Sabine Libera, die den Teilnehmern Trost und Kraft spendete.
Das eindringlichste Zeichen der Mahnwache war wohl die Schweigeminute für Nadine W., die dem traurigen Anlass zusätzlichen Nachdruck verlieh. Diese Momente des Gedenkens sind nicht nur für die Angehörigen wichtig, sondern auch für die Gemeinschaft, die zusammensteht, um in Solidarität für Gerechtigkeit und ein Ende der Gewalt zu kämpfen.
Femizid als gesellschaftliches Problem
Die feministische Bewegung Ni Una Menos hat sich rasant in vielen Ländern etabliert und weist darauf hin, dass Femizid nicht nur ein individuelles Verbrechen, sondern ein gesellschaftliches Problem ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation wird jede dritte Frau weltweit mindestens einmal im Leben Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt. Die Zahlen in Argentinien sind alarmierend: Alle 29 Stunden wird dort eine Frau oder Trans-Person aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Feministische Bewegungen wie Ni Una Menos sind daher unverzichtbare Katalysatoren für einen gesamtgesellschaftlichen Wandel.
In Österreich und auch in Wien ist der Handlungsbedarf groß. Die bereits angesprochenen gesellschaftlichen und politischen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass solche Verbrechen nicht ungestraft bleiben und dass die Stimmen der Betroffenen nicht weiter ignoriert werden. Veranstaltungen wie die Gedenkfeier für Nadine W. sind ein erster wichtiger Schritt, um den Dialog über Femizid und geschlechtsspezifische Gewalt zu fördern und zu intensivieren.